Mit bestem Wissen und Gewissen entschied man sich im Kunsthistorischen Museum in den 1930-er Jahren, die beidseitig bemalten Holztafeln zu zersägen und aufzuspalten. Die Sägespuren auf den neuen Rückseiten wurden glatt gehobelt, die Tafeln damit gedünnt, und mit starren Holzleisten (Parkettierungen) versehen. Das Auseinandersägen beidseitig bemalter Altarflügel war vor allem im 19. Jahrhundert weit verbreitet, um beide Seiten eines Altarflügels gleichzeitig präsentieren zu können.

Der ideale Balancezustand, den beidseitig bemalte Tafeln haben, wird durch die Spaltung der Tafeln zerstört: Getrennte Tafeln weisen oft typische Schadensbilder auf, die nicht nur durch den Sägeprozess selbst entstehen, sondern auch auf die erhöhte Klimaempfindlichkeit der Tafeln zurückzuführen sind. Die Veränderung des Feuchtigkeitsgehaltes im Holz hat Formveränderungen durch Quellen und Schwinden zur Folge. Alte Mal- und Grundierschichten werden mit der Zeit durch den Abbau der Bindekraft des Leims spröde, und vermögen so die Bewegungen des Holzes nicht mehr mitzumachen. Die Haftung der Malschichten auf dem Holzbildträger leidet darunter, oft sind Blasenbildungen die Folge. Um Verwerfungen der Tafeln zu vermeiden, wurden die beiden zerschnittenen – nun sehr dünnen – Bildhälften häufig mit einem Rückseitenanstrich versehen, ganzflächig auf der Schnittseite mit Holzbrettern verstärkt (aufgedoppelt) oder mit Holzleisten (starre Roste und Parkettierungen) versteift.